Karl Hofer (1878 – 1955) steht im Fokus der Frühjahrsauktion bei Richter & Kafitz in Bamberg. Acht Ölgemälde des bedeutenden Künstlers, der in seinen Figuren-Bildern einen eigenständigen, unverkennbaren Stil entwickelte, gelangen zu attraktiven Startpreisen zum Aufruf. Die von einem süddeutschen Privatsammler zusammengetragenen Gemälde sind alle im dreibändigen Werksverzeichnis von K. B. Wohlert / M. Eisenbeis erfasst, sind qualitätvoll gerahmt und befinden sich in gutem Zustand. Karl Hofer, der an den Kunstakademien in Karlsruhe und Stuttgart studierte, unternahm zahlreiche Reisen und wohnte zeitweise in Rom und Paris. Sein Werk zeigt, besonders in den frühen Bildern, Einflüsse des Südens und Bezüge zur italienischen Klassik, gepaart mit Anklängen an den französischen Impressionismus. 1913 zog Hofer mit seiner Frau nach Berlin und wurde Mitglied der „Freien Secession“. Seine Erfahrungen als Kriegsgefangener im I. Weltkrieg sowie der Zeit des Nationalsozialismus und des II. Weltkrieges prägten das Oeuvre Hofers maßgeblich. Idealisierungstendenzen und Lyrismus im Frühwerk entwickeln sich in den Folgejahren weiter zu Hofers unverwechselbarem, eigenem Stil. Die Dargestellten seiner Figuren-Bilder erscheinen zu Stellvertretern schematisiert. In den Formen reduzierte Augen ersetzen individuelle Blicke, gesenkte Lider geben seinen Protagonisten kontemplativen Charakter. Das Angebot bei Richter & Kafitz umfasst Werke aus den Jahren 1946 bis 1954. Neben den Genre-Szenen („Im Süden“ (1946, WVZ 1948), „Drei Frauen am Strand“ (1947, WVZ 2021 (B)), „Melonenesser“ 1952, WVZ 2491, „Junge mit Pferd (B)“ (1953, WVZ 2627), „Schlafendes Paar“ (1953, WVZ 2661) und dem Generationenbild „Auf der Treppe II“ (1952, WVZ 2471) enthält die Offerte auch Motive mit bedrohlich gezeichneten Elementen, die wiederholt Eingang in Hofers Gemälde finden. So in dem Gemälde „Die bedrängte Frau (Liebeskampf)“ (1946, WVZ 1955 (B)), in dem die Darstellung des Mannes satanische Züge trägt, oder das Gemälde „Frau mit sieben Männern“ (1954, WVZ 2800 (B)), in dem die teils maskenhaften Gesichter des Gruppenbildes zwischen Gut und Böse changieren.
Neben den Werken von Karl Hofer enthält das Gemälde-Angebot bei Richter & Kafitz weitere interessante Werke. Drei Gemälde von
Oskar Mulley, Gebirgshof-Motive in ausgeprägter Spachteltechnik, gelangen für Euro 8000,- bzw. 16.000,- und 17.000,- zum Aufruf. Von Christian Rohlfs werden drei Männer auf einer Bank aus dem Jahr 1919 für 5000,- Euro aufgerufen.
Eine beeindruckende „Weinende Psyche“ von Paul Hoeltz, laut rückseitigem Etikett Exponat der Großen Berliner Kunstausstellung 1898, spiegelt als weibliche Personifizierung in symbolistischer Manier die Multivalenz der zerbrechlichen menschlichen Psyche (Startpreis: 400,- Euro).
Ebenfalls den Titel „Psyche“ trägt eine Marmorskulptur Christian Peschkes, eine tänzerische Verkörperung der Psyche in überbordenden weiblichen Formen (Startpreis: Euro 600,-). Elvira Bach ist vertreten mit einer ebenfalls die Weiblichkeit reflektierenden Amazone (Startpreis: Euro 500,-). Von Arman, einem der führenden Vertreter des Nouveau Realisme, findet sich ein Exemplar seiner Violinen-Bronzen (Startpreis: Euro 1.200,-).
Darüber hinaus hält die Auktion einige Liebhaber-Stücke bereit. Erwähnt sei eine Cartier-Uhr ‚Gondole Jumbo‘ aus den 1970er Jahren, die für Euro 3.000,- aufgerufen wird. Als rares Sammlerstück aus alten Tagen findet sich eine Email-Tabatière in Email-de-Saxe-Technik, die, wegen Rissbildung reizvoll niedrig limitiert, das Angebot bereichert. Zwei äußerst qualitätvolle Tabernakel-Sekretäre sowie ein attraktiver Zylinder-Damen-Sekretär bieten die Chance, ein Stück Barock-Kultur zu erwerben und gehen für niedrige vierstellige Beträge an den Start.